Jetzt Streikt's in der Obst & Gemüse Industrie

Höhere Umsätze und Magerangebot

Die NGG.NRW ruft zu Warnstreiks in der Obst und Gemüse verarbeitenden Industrie in NRW auf. Damit wollen wir den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen. Die Gespräche wurden nach zwei Verhandlungsrunden ohne Ergebnis vertagt. Die Gewerkschaft fordert 190 Euro mehr Lohn und Gehalt im Monat.

In zwei Verhandlungen haben sich die Arbeitgeber hinter der Corona-Krise versteckt. Obwohl es in der Lebensmittelbranche gut bis sehr gut läuft, wollen die Unternehmen die Krise nutzen, um ihre Beschäftigten mit einer mageren Erhöhung abzuspeisen. Das Angebot der Arbeitgeber ist empörend: Auf den Tisch gelegt wurde ein Lohnplus von 1,4 Prozent ab Juli. Damit würden die Mitarbeiter ganze drei Monate leer ausgehen.

Dazu erklärt Mohamed Boudih, Landesbezirksvorsitzender der NGG.NRW: „Das Verhalten der Arbeitgeber ist unglaublich. Denn die Betriebe hatten in der Hochphase des Corona-Lockdowns zum Teil zweistellige Zuwachsraten bei Absatz und Umsatz. Die Belegschaften haben geschuftet und alles gegeben, damit die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung sichergestellt werden konnte. Zusatzschichten und Überstunden waren an der Tagesordnung bzw. sind es immer noch.“

Bereits im vergangenen Jahr hat die Lebensmittelindustrie ein Umsatzplus von 5,6 Mrd. Euro erwirtschaftet. Dies haben die Unternehmen nur der hohen Einsatzbereitschaft und Innovationsfähigkeit ihrer Beschäftigten zu verdanken. „Deshalb senden sie zurecht ein Warnsignal und legen in allen Betrieben für mehrere Stunden die Arbeit nieder“, sagte Mohamed Boudih.

Die Lebensmittelindustrie ist wie keine andere Branche gut durch die Krise gekommen. Die Hamsterkäufe der Monate März und April sind zwar vorbei. Allerdings hat sich das Verbraucherverhalten seit Beginn der Krise deutlich geändert. Die Menschen essen mehr zu Hause und kochen selber. Und dies spült Umsätze und Gewinne in die Kassen der Lebensmittelbetriebe. „Alles in allem geht es der Branche gut. Hinter dieser Entwicklung steht harte Arbeit, die jeden Tag von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gemacht wird. Und die muss angemessen honoriert werden“, so Boudih. Die Lebenshaltungskosten sind zuletzt angestiegen. Mohamed Boudih:

„Die Inflation ist krisenbedingt zwar gesunken. Aber rechnet man die Energiepreise raus, dann sind die Lebenshaltungskosten im Mai um satte 1,6 Prozent gestiegen. Allein die Lebensmittelpreise sind im Mai um satte 4,5 Prozent teurer geworden. Außerdem fressen Mieten und andere Kosten einen großen Teil der Einkommen der Beschäftigten auf. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Tariflöhne nicht abgehängt werden.“

Die nächsten Tarifverhandlung für die Obst & Gemüse verarbeitende Industrie an Rhein und Ruhr werden am 05. Juli 2020 fortgeführt. Zu dem Tarifgebiet gehören u.a. auch die Firmen Homann, Iglo, Kühne, Löwensenf, Niederrheingold, Refresco, Thomy und Zentis.