Entlassungen vermeiden - Kurzarbeitergeld verbessern

Zahl der Gäste halbiert

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Düsseldorf, 19. August 2020 - Existenzsorgen nicht nur bei Wirten und Hoteliers: Einer Pleitewelle in Nordrhein-Westfalens Gastgewerbe könnte eine Entlassungswelle unbekannten Ausmaßes folgen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland droht der Verlust Zehntausender Jobs. Mohamed Boudih, Landesbezirksvorsitzender der NGG.NRW: „Abgesagte Messen, verschobene Geschäftsreisen und Geisterspiele im Fußball machen der Branche besonders zu schaffen. Der Tourismus kommt an Rhein, Ruhr und Weser nur sehr langsam in Gang. Wenn die Politik Beschäftigte und Betriebe nicht stärker unterstützt, wird ein Teil des Gastgewerbes die kommenden Monate nicht überstehen.“ Ministerpräsident Laschet und Arbeitsminister Laumann sollten sich in Berlin mit Nachdruck für eine Verlängerung der Kurzarbeiter-Regelung und für eine höhere Aufstockung des Kurzarbeitergeldes einsetzen.

Nach neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes brach die Zahl der Gästeübernachtungen in NRW im ersten Halbjahr um 47 Prozent ein. Die Zahl der Gäste hat sich im selben Zeitraum mehr als halbiert (minus 54 Prozent). Besonders stark war der Einbruch im Raum Düsseldorf und Köln (minus 77 bzw. 75 Prozent). Das Ruhrgebiet verlor 65 Prozent der Gäste, während der Rückgang im von Urlaubsreisen geprägten Sauerland etwas schwächer war (minus 45 Prozent). „Die Zahlen zeigen, wie sehr besonders der Städtetourismus unter Corona leidet. Selbst in den Ferienmonaten Juli und August dürfte es hier kaum ein Aufatmen geben. Denn in den Urlaub fahren die Menschen eher an die Ostsee oder in die Alpen als ins Rheinland, während zugleich die Gäste aus dem Ausland fehlen“, betont Mohamed Boudih.

Sorgen breiten zugleich die hohen Lohneinbußen der Beschäftigten: Erst nach sieben Monaten Kurzarbeit steigen die Bezüge auf 80 Prozent (mit Kindern: 87 Prozent) des Einkommens. Angesichts der leider niedrigen Löhne in der Gastronomie und Hotellerie kommen viele Menschen schon jetzt nicht über die Runden. Es ist dringend nötig, den Bezug des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate zu verlängern und bei der Aufstockung nachzubessern.

Mohamed Boudih: „Hier steht am Ende auch die Glaubwürdigkeit der Politik auf dem Spiel, die mit ihrer Corona-Politik bisher auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung bauen kann. Für Branchen wie das Gastgewerbe muss es zudem eine deutliche Aufstockung beim Kurzarbeitergeld geben. Nicht nur die Hoteliers und Wirte sind in Not, sondern auch viele der rund 330.000 Beschäftigten im NRW-Gastgewerbe und ihre Familien.“

Laut einer aktuellen Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung (Düsseldorf) verstärkt die Coronakrise die soziale Ungleichheit. Unter den Befragten, denen weniger als 1500 Euro monatlich zur Verfügung stehen, erhalten demnach nur 33 Prozent eine Aufstockung. Unter den Personen mit einem Einkommen von mindestens 2600 Euro bekommt hingegen jeder Zweite (48 Prozent) eine Aufstockung.