Beschäftigte in NRW sollen „Recht auf Weiterbildung“ bekommen

Statistik: 16 Prozent der Menschen bildeten sich zuletzt im Job weiter

angespitzte Buntstifte mit aufgemalten Smileys
Mit spitzem Stift rechnen sich die Chancen im Job besser: Fortbildung ist das A und O, sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Immer mehr Jobs fordern digitales Know-how – in der Industrie genauso wie im Handwerk. Foto (alle Rechte frei): NGG

Arbeitsplätze für die Digitalisierung fit machen: Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen sollen ein „Recht auf Weiterbildung“ bekommen. Das fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit Blick auf den rasanten Wandel der Arbeitswelt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes haben im Jahr 2017 lediglich 16 Prozent der Erwerbstätigen in NRW an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Das sind zwar rund 1,35 Millionen Menschen – „aber angesichts der Umbrüche in vielen Branchen noch viel zu wenige“, sagt Mohamed Boudih, Landesbezirksvorsitzender der NGG in NRW.

Neue Anforderungen reichten von der intelligenten Lagerlogistik in der Ernährungsindustrie bis hin zu Fremdsprachenkenntnissen im Hotel. „Insbesondere viele ältere Beschäftigte sind dafür nicht gewappnet. Doch den Umgang mit neuer Betriebssoftware lernt man nicht einfach nebenbei“, so Boudih. Und nicht jeder schaffe es, nach Feierabend noch zur Volkshochschule zu gehen. Die NGG fordert deshalb eine „Qualifizierungsoffensive“ von Betrieben und Politik. Nur mit einem gesetzlich verankerten „Recht auf lebenslanges Lernen“ könnten heimische Beschäftigte den Anschluss an die technische Entwicklung halten.

Bisher wird die berufliche Weiterbildung allein zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer – etwa per Tarifvertrag – geregelt. Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht. Mohamed Boudih: „Gerade in vielen kleinen Betrieben wie Bäckereien oder Restaurants ist das ein Problem. Wegen der dünnen Personaldecke gewähren Chefs oft keine freien Tage für die Weiterbildung – obwohl diese am Ende der Firma nutzt.“ Großen Nachholbedarf gebe es insbesondere bei ungelernten Kräften, so die NGG. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind die Jobs von gering Qualifizierten besonders stark von der Digitalisierung bedroht.

Die Gewerkschaft NGG fordert die Bundesregierung dazu auf, beim Thema Weiterbildung „Ernst zu machen“. Im Koalitionsvertrag ist zwar von einer „nationalen Weiterbildungsstrategie“ die Rede. Doch die umfasst bislang lediglich eine Beratung bei der Arbeitsagentur.