Abbau Ost: Haribos Ende als gesamtdeutsches Unternehmen

Am 13. Dezember feiert das Süßwarenunternehmen Haribo seinen 100. Geburtstag. Rund zwei Wochen später, am 31. Dezember 2020, will die Unternehmensführung den einzigen ostdeutschen Haribo-Standort, der in den vergangenen Jahren steigende Gewinne an den Mutterkonzern abführte, schließen. Gegen diese Entscheidung des Abbau Ost formiert sich vor Ort ein breiter Protest.

Eine Petition zum Erhalt des Werkes wird bereits von mehr als 13.000 Menschen unterstützt. Am Samstag, 21. November 2020, ruft die NGG gemeinsam mit regionalen Akteuren zu einer Kundgebung auf, um ein klares Zeichen in Richtung Unternehmenszentrale in Grafschaft bei Bonn zu senden: „Wir kämpfen für den Erhalt des Werkes.“ „Abbau Ost im 30. Jahr der Wiedervereinigung, das ist zum 100. Geburtstag von Haribo ein böses Geschenk. Wir werden das nicht akzeptieren. Die Basta-Politik des Unternehmens, das bisher jeglichen Dialog über diese Entscheidung verweigert, ist ein Schlag in das Gesicht der Beschäftigten und ihrer Familien. Wir wissen bisher nicht, wie die Eigentümerfamilie in diese Entscheidung eingebunden ist und ob sie dahintersteht. Wir planen in den kommenden Wochen weitere Aktionen“, erklärt Thomas Lißner NGG-Gewerkschaftssekretär.

Dabei verbindet das Werk in Wilkau-Haßlau bei Zwickau eine Geschichte mit Haribo, die bis in die DDR-Zeit reicht. Schon damals wurde an dem Standort für Haribo produziert. 1990 wurde das Werk übernommen, in das Unternehmen eingegliedert und feierte in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. 

Hintergrund Am 6. November 2020 hatte die Unternehmensleitung vor den Beschäftigten in wenigen Minuten und ohne Nachfrage verkündet, den Standort zum Jahresende zu schließen. Im Werk arbeiten 150 Menschen. Der Standort hat in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro Gewinn an die Unternehmenszentrale abgeführt und verzeichnet stabile Umsätze. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Zeitplan der Unternehmensführung, das Werk zum Jahresende zu schließen, kaum einzuhalten ist, wenn die Informations- und Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates gewährt bleiben sollen. Haribo hat weitere Standorte in Grafschaft, Bonn, Solingen und Neuss.