Weil Egetürk auf stur schaltet: Die Gewerkschaft NGG wechselt in den Streikmodus

Produktionsausfälle waren am 27. August die Folge eines mehrstündigen Streiks beim Kölner Wursthersteller Egetürk. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte die rund 190 Beschäftigten am Stammsitz in Köln-Niederkassel zum Warnstreik aufgerufen. Mehr als die Hälfte folgte dem Aufruf. Die rund 75 Produktionsmitarbeiter gingen geschlossen vor das Werkstor. Die Produktion kam zwischen fünf und neun Uhr weitestgehend zum Erliegen.

Mit dem Warnstreik erhöht die Gewerkschaft den Druck auf Egetürk. Die NGG will einen Haustarifvertrag aushandeln. Bisher wendet Egetürk den Handwerkstarif an. Da die Produktion bei Egetürk aber mittlerweile hochindustrialisiert ist, fordert die NGG einen entsprechenden Haustarifvertrag. Das Unternehmen schaltet auf stur und hat bisher alle Gesprächsangebote der Gewerkschaft abgelehnt. Eine letzte Frist zur Aufnahme von Verhandlungen ist am Montag, den 26. August, fruchtlos verstrichen.

Dazu erklärt Thomas Bernhard, als Referatsleiter in der NGG zuständig für die Fleischindustrie und Verhandlungsführer: „Wer den Willen seiner Beschäftigten und die Gewerkschaft als deren Interessenvertreterin nicht achtet, der darf sich nicht wundern, wenn die Leute vors Tor gehen. Egetürk ist schon lange kein kleiner Handwerksbetrieb mehr. Das Unternehmen ist europaweit Marktführer für türkische Wurstspezialitäten und seine Produktion ist auf modernstem Industriestandard. Unsere Mitglieder fordern deshalb einen Tarifvertrag als Grundlage ihrer Entlohnung und dass ihre Arbeit nach nachvollziehbaren Kriterien bemessen wird. Bisher wird bei Egetürk zwar gut, aber nicht nach industriellen Kriterien bezahlt.“

Die Gewerkschaft sei weiter gesprächsbereit, so Bernhard. Wenn das Unternehmen aber weiter auf stur schalte, werde die NGG zu weiteren Warnstreiks aufrufen. Die NGG wollte bereits vor einigen Jahren einen Haustarifvertrag abschließen. Daraufhin trat die Egetürk Wurst- und Fleischwarenfabrikation GmbH & Co. KG, die zu den großen fleischverarbeitenden Betrieben im Rheinland gehört, der Fleischerinnung bei. „Der Tarifvertrag für das Fleischerhandwerk NRW ist seit fast einem Jahr gekündigt. Nun wollen unsere Mitglieder, die hervorragende Arbeit leisten, einen Haustarifvertrag mit attraktiven Löhnen und einer ihrer Qualifikation angemessene Einstufung. Da die große Mehrheit der Belegschaft gewerkschaftlich organisiert hat, hat die NGG das Mandat, diese Verhandlungen zu führen“, so Bernhard.