Liebe Arbeitgeber, wo bleibt unsere Lohnerhöhung?

Arbeitgeber sollen sich nicht hinter dem Bundesarbeitsgericht verstecken!

Quelle: Tim Reckmann / pixelio.de

Wenige Tage vor der zweiten Tarifverhandlung für die 14.000 Beschäftigten in der nordrhein-westfälischen Süßwarenindustrie mahnt die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) die Arbeitgeber, ein Angebot vorzulegen. Die Gewerkschaft bereitet sich im Falle des Scheiterns in der zweiten Runde auf Warnstreiks vor.

Die zweite Verhandlungsrunde findet am 14. Mai in Krefeld statt. Die erste Runde Anfang April verlief ergebnislos. Die Arbeitgeberseite hatte kein Angebot vorgelegt und dies insbesondere mit angeblich steigenden Kosten für Nachtzuschläge infolge eines Urteils des Bundesarbeitsgerichtes (BAG), das bereits knapp ein Jahr alt ist, begründet. Nach Auffassung des BAG sind unterschiedliche Zuschlagshöhen für regelmäßige und unregelmäßige Nachtarbeit unwirksam.

Dazu erklärt Mohamed Boudih, Landesbezirksvorsitzender der NGG NRW und Verhandlungsführer: „Die nordrhein-westfälische Süßwarenindustrie ist gut aufgestellt. Die Beschäftigten leisten jeden Tag eine tolle Arbeit und sorgen dafür, dass die Supermarktregale prall gefüllt sind mit qualitativ hochwertigen und leckeren Bonbons, Schokoladen oder Knabberartikeln. Sie haben deshalb eine gute Lohnerhöhung in diesem Jahr verdient. Die Beschäftigten haben kein Verständnis dafür, wenn sich die Arbeitgeber hinter dem Bundesarbeitsgericht verstecken. Das Urteil zum Thema Nachtschichtzuschläge ist keine Rechtfertigung für einen schlechten Lohnabschluss. Wir verhandeln in dieser Runde über die Entgelte und nicht über Zuschläge. Wir lassen nicht zu, dass die Arbeitgeber in einer Lohnverhandlung Dinge miteinander vermischen, die nicht zusammengehören. In der zweiten Verhandlung erwarten wir, dass die Arbeitgeber ein verhandlungsfähiges Angebot xvorlegen. Für alles andere fehlt den Menschen jegliches Verständnis.“

Die NGG NRW fordert in den diesjährigen Tarifverhandlungen eine Lohnerhöhung um 6,5 Prozent sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 125 Euro. Außerdem sollen die unteren Lohngruppen stärker berücksichtigt werden. Die NGG verweist auf die positive Entwicklung der Süßwarenbranche in NRW – diese ist sogar besser als im bundesweiten Trend. Die in NRW produzierten Süßwaren machen ein Drittel der bundesweit produzierten Menge aus. Zudem wuchs in 2018 der Exportanteil der produzierten Waren. Mit Blick auf den Fachkräftemangel, der zunehmend auch in der Ernährungsindustrie zu spüren ist, will die Gewerkschaft mit höheren Tariflöhnen auch die Attraktivität der „süßen“ Branche steigern. „In den unteren Lohngruppen geht es uns außerdem darum, dass die Tarifentgelte auch in Zukunft armutsfest sind“, so Boudih.

Zu den tarifgebundenen Süßwarenbetrieben in Nordrhein-Westfalen gehören u.a. die Chocoladenfabriken Lindt & Sprüngli, die Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz, August Storck, Griesson de Beukelaer, Conrad Schulte, Haribo, Intersnack, Katjes, Solent und Sanotact.