NGG kritisiert extreme Preise und Lohn-Drückerei an Autobahn-Raststätten – „Rastplätze zurück in staatliche Hand“

19 Cent kostet die Flasche Wasser im Supermarkt, 2,59 Euro an der Raststätte – aber die Mitarbeiter dort bekommen nur den Mindestlohn. Mit Blick auf den Ferienstart im bevölkerungsreichsten Bundesland hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Missstände auf den Autobahn-Raststätten in Nordrhein-Westfalen kritisiert. „Während Reisende sogar für den Toilettengang mit 70 Cent zur Kasse gebeten werden, arbeiten Beschäftigte teils unter prekären Bedingungen. Dazu gehören fehlende Pausen und geprellte Feiertagszuschläge, aber auch viel zu wenig Personal an den Raststätten“, sagt der NRW-Chef der Gewerkschaft, Mohamed Boudih.

Hintergrund: Im Zuge der Privatisierung hält die Firma Tank & Rast bundesweit fast alle Konzessionen für den Betrieb der Raststätten entlang der Autobahnen. Einen Großteil davon vergibt sie an private Pächter, die die sehr teuren Lizenzen erwirtschaften müssen. „Das führt zu extremen Preisen für die Autofahrer – und zur Lohn-Drückerei bei den Beschäftigten“, kritisiert Boudih. Auf d n 2.200 Autobahn-Kilometern in NRW kommt es nach Einschätzung des Gewerkschafters vielerorts zu unhaltbaren Zuständen: „Die Arbeitszeiten in der Autobahn-Gastronomie gelten oft nur auf dem Papier. Und wenn drei Reisebusse Halt auf einmal machen, dann ist eine Handvoll Service-Mitarbeiter völlig überlastet.“ Hinzu kämen lange Anfahrtswege für die Beschäftigten und gestresste Kunden.

Die Gewerkschaft NGG fordert, die Raststätten in staatliche Hand zurückzubringen. „Das Service-Netz wird 24 Stunden am Tag gebraucht und erfüllt einen zentralen Versorgungsauftrag. Die Privatisierung der Gastro-Infrastruktur an den Autobahnen im Jahr 1998 hat zur Folge, dass diese essentiellen Aufgaben einzelnen Gewinninteressen ausgeliefert sind - mit negativen Folgen für Reisende und Beschäftigte“, sagt Mohamed Boudih. Spätestens mit dem Start der bundeseigenen Autobahn GmbH im Jahr 2021 sollten auch die Raststätten wieder Teil des öffentlichen Versorgungsnetzes werden.

Derweil ruft die Gewerkschaft Urlaubs- und Berufsfahrer zu G duld an den Rastplätzen auf. „Beim Hochbetrieb kann der Kaffee auch mal ein paar Minuten länger dauern. Aber das liegt am fehlenden Personal, nicht am mangelnden Einsatz der Beschäftigten. Sie sind dankbar für etwas Verständnis und auch mal für ein freundliches Wort“, so Boudih.